Hausärztlich-Internistische-Gemeinschaftspraxis
Dr. med. G. Jahnke, Christine Scholand, Dr. med. J. Thormann
Ärztehaus im Zentrum, Friedenstraße 1, 33602 Bielefeld
Telefon: 0521 / 17 99 18 und 0521 / 6 19 07, Telefax: 0521 / 13 93 21

Reizdarmsyndrom

Hirn im Bauch

Beim Reizdarm oder auch Colon irritable liegt eine Störung der Darmfunktion vor, obwohl keine körperliche Erkrankung (z.B. Entzündung oder Krebs) gefunden werden konnte. Gelegentlich treten die Beschwerden nach einer akuten entzündlichen Darmerkrankung auf. Bei den Betroffenen lässt sich eine erhöhte Empfindlichkeit (erniedrigte Schmerzschwelle) des Darmes feststellen. Zusätzlich konnte bei den Patienten beobachtet werden, dass der Bewegungsablauf des Darmes gestört ist – eine Ursache für Durchfall oder Verstopfung. Der Darm besitzt ein autonomes Nervensystem (das „Bauchhirn“, das sich mit mehr als 100 Millionen Nervenzellen von der Speisröhre bis zum Darmausgang erstreckt. Die Nervenzellen des Darmhirns sind mit dem Großhirn (Gedanken und Gefühle) verbunden und über Botenstoffe „sprechen“ beide Hirne miteinander – eine Erklärung für die Wechselwirkung von Magen-Darm und Psyche beim Reizdarmsyndrom.

Ist das Reizdarmsyndrom ein häufiges Problem?

Das Reizdarmsyndrom ist fast so häufig wie eine gewöhnliche Erkältung. Es leiden mehr als 10% der Bevölkerung an dieser Erkrankung. Am häufigsten ist die Altersgruppe der 30-60-Jährigen betroffen, doch auch Kinder, Jugendliche und Männer.

Wie äußert sich das Reizdarmsyndrom?

Nicht alle der folgenden Beschwerden müssen auftreten. Auch sind die Symptome nicht immer gleich stark ausgeprägt.

  • Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe, oft besser nach Stuhlentleerung
  • Chronische Verstopfung oder Durchfall
  • Blähungen, Gefühl des Aufgetriebenseins
  • Übelkeit
  • Schleimausscheidung über den Stuhl

Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Bei allen Patienten sollte eine Blutuntersuchung erfolgen. Abhängig von dem Beschwerdebild sind eine Ultraschalluntersuchung und eine Darmspiegelung sinnvoll.

Welche Untersuchungen sind nicht sinnvoll?

Patienten wünschen sich oft eine einfache Erklärung für ihre Beschwerden. Das ist sehr menschlich. Leider werden aber viel zu oft aufwendige und teure Tests durchgeführt, die keine therapeutische Konsequenz haben. So sind z.B. Stuhluntersuchungen auf Pilze und Darmflora nicht sinnvoll. Auch ein Test auf Antikörper gegen Nahrungsmittel (IgG) zur Abklärung von Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten macht keinen Sinn (es ist ein normaler Vorgang, dass der Körper auf Nahrungsmitteleiweiße mit einem Anstieg von IgG reagiert) und wird von gastro-enterologischen als auch allergologischen ärztlichen Fachgesellschaften nicht empfohlen.

Was kann beim Reizdarmsyndrom helfen?

Die Therapieziele sollten realistisch sein. Ziele der Behandlung sind eine Verbesserung der Lebensqualität insbesondere durch den Erwerb einer anderen Einstellung gegenüber den Beschwerden. Die Betroffenen müssen wissen, dass es sich nicht um eine bedrohliche Erkrankung sondern um Befindlichkeitsstörungen handelt, die immer mal wieder, mal heftiger, mal weniger heftig auftreten können. Folgende Ratschläge sollten Sie befolgen:

  • Es gibt keine Reizdarm- Diät! Essen Sie regelmäßig und nehmen Sie sich Zeit beim Essen. Lassen Sie keine Mahlzeit ausfallen.
  • Medizinische Studien zeigen, dass probiotische Drinks z.B. Activia, Yakult, LC1 zu einer deutlichen Besserung führen können.
  • Finden Sie persönlich durch eine langsame Aufbaukost heraus, was Sie vertragen.
  • Trinken Sie mindestens 8 Gläser Wasser oder sonstige koffeinfreie Getränke wie Kräutertee pro Tag.
  • Trinken Sie nicht mehr als 3 Tassen Tee oder Kaffee und Alkohol nur in geringen Mengen
  • Reduzieren Sie probeweise ihre Ballaststoffmenge und essen Sie nicht mehr als 3 Portionen Obst am Tag.
  • Vermeiden Sie den Zuckerersatzstoff Sorbitol, der in zuckerfreien Nahrungsmitteln und Getränken sowie in Diät – und Diabetesprodukten enthalten ist.
  • Bewegen Sie sich viel (vornehmlich Ausdauersportarten).
  • Sorgen Sie für ausreichenden Schlaf und einen geregelten Tagesablauf.
  • Bezogen auf ihre Beschwerden können wir Ihnen lindernde Medikamente verordnen.


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